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symbolische Waage

Das Bundesteilhabegesetz ist in seinen ersten Teilen am 30 Dezember 2016 in Kraft getreten. Wir haben hart für ein gutes Bundesteilhabegesetz gekämpft und einiges erreicht. Einiges haben wir aber noch nicht erreicht - es gibt also noch viel zu tun. Die Kampagne für ein gutes Bundesteilhabegesetz endet hiermit. Wenden Sie sich bei weiteren Fragen bitte an Beratungsstellen vor Ort oder die einschlägigen Behindertenverbände. 

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 Aktuelles

 

Aktueller Titel: 100 Prozent Abenteuer statt 100 Prozent Behinderung

100 Prozent Abenteuer statt 100 Prozent Behinderung

 
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Matthias Klei im Elektrorollstuhl und mit Assistenz auf TourBielefeld: Unter dem Motto "100% Abenteuer statt 100% Behinderung" führt Matthias Klei aus Bielefeld ab heute eine siebentägige Tour über 420 km mit dem Elektrorollstuhl durch Norddeutschland durch.
Dabei fährt er mit seinem Elektrorollstuhl von Bielefeld über Hamburg und Cuxhaven nach Bremerhaven. Neben dem abenteuerlichen Charakter tritt Matthias Klei mit der Tour auch für eine inklusive Gesellschaft und ein gutes Bundesteilhabegesetz ein.

"Mein Name ist Matthias Klei, ich wurde 1970 in Ostwestfalen geboren und bin seit meiner Geburt Tetraspastiker. Ich bin ein aktiver Rollstuhlfahrer, der trotz seiner Behinderung, welche laut Gesetz 100 % beträgt, ein selbstständiges Leben durch Assistenz führt. Seit fünf Jahren fahre ich regelmäßig - das heißt mindestens einmal pro Monat - nach Hamburg. Ich habe mich in die Stadt mit ihrem besonderen Flair, ihrem Hafen sowie ihren verschiedenen Angeboten und Möglichkeiten verliebt. Ich bin ein Mensch, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist und seine Grenzen neu auslotet, daher kam mir die Idee, mit dem E-Rollstuhl nach Hamburg zu fahren. Mithilfe meiner Assistenten (mein Team besteht aus durchschnittlich 12 Assistenten, die mich in meinem Alltag begleiten), einer zweimonatigen Vorbereitungszeit und der freundlichen Unterstützung der Firma Meyra GmbH aus Kalletal-Kalldorf (www.meyra.de), die mir für mein Vorhaben den geeigneten E-Rollstuhl zur Verfügung stellt, spezifizierte sich die Reise immer mehr", berichtet Matthias Klei vor dem Antritt der Reise.

Die ursprünglich geplante Route von Bielefeld nach Hamburg über die Lüneburger Heide habe sich sogar noch ausgeweitet. "Mein Ziel ist, innerhalb von sieben Tagen von Bielefeld über Hamburg und Cuxhaven bis nach Bremerhaven zu fahren, sodass wir, einige meiner Assistenten, Freunde und ich, im Schnitt 50 bis 70 km pro Tag fahren müssen. Aufgrund meiner Tetraspastik (durch erhöhte Eigenanspannung der Skelettmuskulatur ist die Bewegungsfreiheit meiner Arme und Beine eingeschränkt, bzw. schwer zu kontrollieren. Auch meine Feinmotorik ist sehr stark beeinträchtigt) ist es für mich sehr anstrengend und schwierig, den E-Rollstuhl auf langen Strecken zu bedienen. Bei Erschütterungen muss ich den Gashebel des E-Rollstuhls ruhig halten, was bei einer Geschwindigkeit von bis zu 12 km/h eine Kunst für sich ist. Damit dies bei meiner großen Tour klappt, habe ich bereits zwei Monate fleißig in und um Bielefeld herum das Fahren trainiert und mich an den neuen E-Rollstuhl gewöhnt", so Matthias Klei.

Darüber hinaus hat er in Zusammenarbeit mit seinen Assistenten eine Eigenkonstruktion ausgetüftelt, welche seinen Arm bequem an der Lehne des E-Rollstuhls fixiert. So sollte es ihm seiner Meinung nach nun möglich sein, die Tour anzutreten und ohne einen Unfall zu überstehen. "Meinen Spasmus kann ich zwar bedingt austricksen, jedoch nicht abschalten. Daher hoffe ich, dass er mir keinen Strich durch die Rechnung macht … immerhin werde ich auf der Reise ca. sieben bis neun Stunden pro Tag unterwegs sein und unter ziemlicher Anspannung stehen. Durch die erhöhte Anspannung meiner Muskeln über einen längeren Zeitraum könnten körperliche Beschwerden auftreten, welche mich dazu zwingen würden, die Tour abzubrechen. Um dem entgegenzuwirken, wurden meine Assistenten im Vorfeld durch meinen Physiotherapeuten mit genauen Instruktionen, welche zu meiner körperlichen Entspannung dienen, angeleitet. Zusätzlich habe ich mir einen Trinkbeutel, welcher auch von Radfahrern oder Wanderern genutzt wird, besorgt, sodass ich während der Fahrt ohne einen Zwischenstopp selbstständig trinken kann. Dies entlastet meine Assistenten, wir verschwenden keine kostbare Zeit und können versuchen, die Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 bis 10 km/h zu halten."

Auf der Tour begleiten Matthias Klei Assistenten und Freunde, die Spaß am Fahrradfahren und Zelten haben. Sie werden die Nächte hauptsächlich auf Camping- und Zeltplätzen verbringen, spontane Übernachtungen auf Bauernhöfen können jedoch eine Alternative bieten, sollten sie ihr Tagesziel verfehlen oder darüber hinauskommen. Die Tour wurde anhand einer Radkarte geplant und bei den ausgewählten Camping- und Zeltplätzen darauf geachtet, dass der E-Rollstuhl aufgeladen werden kann. Allerdings erkundigten sie sich bei dieser Reise im Vorfeld nicht telefonisch darüber, ob die Plätze behindertengerecht ausgestattet seien. Bisher gab es noch keine Hürde, die Matthias Klei mit seinen Assistenten nicht gemeistert habe. "Wir sind ein eingespieltes und einfallsreiches Team", betont er.

"Damit ich auch ohne E-Rollstuhl in die engsten Räumlichkeiten komme, haben wir noch einen kleinen Faltrollstuhl dabei. Auf meinen bisherigen Touren begegneten uns ständig nette und hilfsbereite Menschen, die uns zur Seite standen, und wir gehen davon aus, dass uns diese Hilfsbereitschaft auch auf dieser Reise begegnet. Jede Reise birgt neue Abenteuer und Herausforderungen für meine Assistenten und mich und gerade das ist ja auch das Wertvolle am Reisen. Teilweise entwickelten sich aus Bekanntschaften von solchen Reisen auch Arbeitsverhältnisse und Tourbegleiter oder Helfer wurden zu Assistenten. Des Weiteren gibt es noch zwei Aspekte der Reise, die mir sehr am Herzen liegen. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass eine 100%ige Behinderung weder das Leben, noch die Träume und Aktivitäten eines Menschen einschränken sollte. Auch wenn ein Großteil der Gesellschaft der Meinung ist, dass Menschen mit Behinderung nicht eigenständig leben können, sondern in Einrichtungen mit Heimcharakter betreut werden müssen, heißt dies noch lange nicht, dass ich mich dem beugen muss. Ich verneine dieses Konzept vehement. Jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, wie es in der Menschenrechtskonvention niedergeschrieben steht.
Seit Jahren kämpfen wir um ein neues Teilhabegesetz. Vor ca. vier Wochen wurde ein Gesetz verabschiedet, welches für Menschen mit Behinderung eher negativ ausfällt", so Matthias Klei zu den Hintergründen seiner Tour.

Er betont: "Im Vorfeld wurde über das kommende Teilhabegesetz mehrere Jahre diskutiert und ich war voller Zuversicht, dass sich einiges zum Positiven ändern würde. In letzter Minute wurde das Gesetz jedoch dermaßen verändert, dass die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nun eher verhindert als gegeben wird. Jeder redet von Inklusion, aber die Politik macht gerade das Gegenteil. Wer sich mehr über dieses Thema informieren möchte, sollte die Internetseite www.NichtMeinGesetz.de oder den Hashtag #NichtMeinGesetz besuchen.

Außerdem hat es sich Matthias Klei seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, die Gesellschaft mehr über Menschen mit Behinderung aufzuklären und wachzurütteln. Daher versucht er durch seine Aktionen, wie beispielsweise die Reise, Vorurteile abzubauen und den Fokus der Menschen darauf zu lenken, dass er nicht in Watte gepackt werden möchte. "Ich möchte einfach ein ganz normales Leben führen können, wie jeder nicht behinderte Mensch auch. Aus diesem Grund habe ich auch meine Internetseite www.matthias-klei.de ins Leben gerufen. Hier zeige ich anhand vieler Beispiele aus meinem Leben, was trotz einer 100%igen Behinderung möglich ist und möglich sein sollte."

Die Gesellschaft drücke Matthias Klei schnell den Stempel eines Behinderten auf. Er frage sich manchmal, ob er nicht viel mehr leiste oder wage als manch nicht behinderter Mensch. "Mein Augenmerk liegt darauf, anderen Mut zu machen, mal etwas zu wagen oder auszuprobieren. Vieles ist möglich, wenn man es will.
Ich zum Beispiel gehe mit Geräten und Unterstützung bis zu 10 Meter tief tauchen, fahre Ski und Trike mit Begleitung oder gehe, wie in diesem Fall, reisen. Man muss sich sein Leben erarbeiten und aufbauen. Ich habe damit im Alter von 14 Jahren begonnen, als ich mit den Pfadfindern unterwegs war. Mit der Zeit traut man sich immer mehr zu. Nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr darum geht, mir etwas aufzubauen, sondern meine Vorhaben, welche immer spektakulärer werden, zu realisieren. Hierfür suche ich stetig nach Sponsoren, welche mich bei meinen Abenteuern in jeglicher Form unterstützen." Wer Lust habe, könne jederzeit einsteigen und sich der Tour von Matthias Klei anschließen. sie würden sich sehr freuen, wenn sie dem Inklusionsgedanken auf dieser Reise ein Gesicht geben und ihn ausleben könnten.

Wer hierzu mehr erfahren möchte, kann Matthias Klei jederzeit und auch während der Tour über die Mailadresse kontakt@matthias-klei.de erreichen. die 1. Etappe findet heute ab 9:00 von Bielefeld über Enger, Hiddenhausen, Löhne; Bad Oeynhausen; Porta Westfalica, Minden nach Petershagen über 71,3 km statt. Die Übernachtung ist auf dem Campingplatz Lahde, Am Wehr 5, 32469 Petershagen (www.campingplatz-petershagen.de) geplant.

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