Hintergrundbild
Menü
P

Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

symbolische Waage Im Rahmen des vom Deutschen Bundestag bewilligten und aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" hat das NETZWERK ARTIKEL 3 in der Laufzeit des mittlerweile abgeschlossenen Projektes vom 1.  Januar 2018 bis 31. Dezember 2020 folgenden Informationen zum Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung bereitgestellt.

symbolisch Paragrafen
Link zum Bundesteilhabegesetz


Nachrichten

Hier werden die letzten Nachrichten angezeigt. Viele ältere Nachrichten finden Sie hier im Archiv.

„Risikogruppe“ – ein gefährlicher Begriff!

Von Ottmar Miles-Paul am 05.04.2020
Startseite >>

Berlin (kobinet) Dr. Sigrid Arnade, ehemalige Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) wehrt sich gegen den Begriff der "Risikogruppen“. Kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul wollte das genauer verstehen und sprach mit Sigrid Arnade.

kobinet-nachrichten: Sie kritisieren den Begriff der "Risikogruppen“. Warum?

Sigrid Arnade: Es gibt sicherlich unter älteren und behinderten Menschen etliche Personen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19- Infektion haben. Aus diesem Grund aber gleich alle älteren und behinderten Menschen als "Risikogruppe“ zu bezeichnen, empfinde ich als stigmatisierend und gefährlich.

kobinet-nachrichten: Aber es soll doch dem Schutz der Betroffenen dienen, dass ihnen und allen anderen bewusst ist, dass sie sich besonders vor einer Infektion hüten müssen. Was ist daran falsch oder gar gefährlich?

Sigrid Arnade: Unterstellen wir einmal eine gute Absicht. Dann ist der Begriff schlecht und unsensibel gewählt. Eine Risikogruppe kann einerseits eine Gruppe sein, die selbst gefährdet ist. Es kann sich aber andererseits auch um eine Gruppe handeln, die ein Risiko für andere darstellt.

kobinet-nachrichten: Was befürchten Sie?

Sigrid Arnade: Die ganzen Vorsichtsmaßnahmen, die jetzt getroffen wurden, schränken die Menschen erheblich ein, führen zu psychischen Krisen, sind für nicht wenige Bürger*innen existenzbedrohend und werden massive wirtschaftliche Folgen haben. In so einer Situation sind Sündenböcke willkommen. Ich befürchte, dass die sogenannten "Risikogruppen“ stigmatisiert und letztlich für die Folgen der Pandemie verantwortlich gemacht werden. Alte und behinderte Menschen werden dann verachtet und gemieden – Exklusion pur.

kobinet-nachrichten: Was müsste Ihrer Ansicht nach geschehen, damit das nicht passiert?

Sigrid Arnade: Bewusstseinsbildung beginnt mit der Sprache. Man sollte bezüglich besonders gefährdeter Menschen nicht von "Risikogruppen“ sprechen, sondern von "vulnerablen“ oder "besonders gefährdeten Personen“ ohne pauschale Gruppenbildung nach Alter oder Diagnosen etc. Bei der anderen Bedeutung des Begriffs würde ich Risikogruppen eher bei denjenigen suchen, die für die Ökonomisierung des Gesundheitswesens verantwortlich sind. Dadurch sind viele vorher funktionierende Strukturen kaputt gespart worden. Würde das Gesundheitswesen nicht der Gewinnmaximierung, sondern der Gesundheitsmaximierung dienen, könnten wir diese Krise vermutlich besser mit weniger harten Einschnitten meistern.

zurück



zu facebook E-Mail

Termine

Anstehende Termine
Kein Eintrag

Koordiniert vom
Logo Netzwerk Artikel 3

Gefördert durch:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Logo)
aufgrund eines Beschlusses
des Deutschen Bundestages

Weitere Seiten: