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Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

symbolische Waage

Eine Reihe von Regelungen des Bundesteilhabegesetzes sind schon in Kraft getreten. Am 1. Januar 2020 folgen weitere. Im Rahmen des vom Deutschen Bundestag bewilligten und aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" bieten wir Informationen zum Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung.

 

symbolisch Paragrafen
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Dirk Bergen kämpft um seine Selbstbestimmung

Gesendet von Ottmar Miles-Paul am 18.11.2016
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Dirk Bergen in seiner WohnungFreiburg (kobinet) Dirk Bergen hat in seinem Leben schon viel mitgemacht, u.a. lebte er 15 Jahre in einer Behinderteneinrichtung und kämpfte sich mühsam dort heraus. Nun ist er damit konfrontiert, daß man ihn wieder ins Heim abschieben will. Sind das die Vorzeichen des geplanten Bundesteilhabegesetzes mit Zwangspoolen und Kostenvorbehalt? kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Dirk Bergen aus Freiburg über seine derzeitige prekäre Situation, die Mahnung für all diejenigen sein sollte, die so tun, als ob in Sachen Selbstbestimmung in Deutschland alles im Reinen wäre.

kobinet-nachrichten: Herr Bergen, wie Medienberichten zu entnehmen ist, werden Sie derzeit unter Druck gesetzt, sich einen Heimplatz zu suchen. Was ist da genau in Freiburg los?

Dirk Bergen: Ich bekomme rund um die Uhr von einem Hilfsdienst Aßistenz und das heißt ganz konkret 23 Stungen täglich ist ein Helfer bei mir. Das sind hohe Kosten, die letztendlich der Staat zu tragen hat. Die Kosten von insgesamt rund 15.000 Euro pro Monat waren für die Stadt Freiburg zu hoch, das liegt auch an der Nachtaßistenz. So erhielt ich einen Bescheid, mir einen Heimplatz zu suchen, da die Kosten für meine Aßistenz zu Hause ab dem 31.09.2016 nicht mehr bewilligt würden. Begründung hierfür waren mein Alter und der Kostenunterschied. Auf der einen Seite kann man das verstehen, wenn man bedenkt, daß eine allein stehende Frau mit zum Besispiel zwei Kindern oft schlecht auskommt mit dem, was sie vom Staat erhalten würde, wenn sie nicht arbeiten kann. Auf der anderen Seite, wenn man bedenkt, daß die Vereinten Nationen in ihrer von Deutschland unterschriebenen Behindertenrechtskonvention Menschen mit Behinderung das Recht zur Wahl der eigenen Wohnform verbrieft, dann kann ich nicht ruhig bleiben, wenn der Staat in Form des Sozialamtes sich nicht daran hält. Inzwischen wurde mir die Aßistenz und damit der Verbleib in meiner Wohnung bis zum 28.02.2017 zugesagt. Jedoch habe ich Angst, daß danach wieder ein Bescheid kommt, der mich dazu auffordert, einen Heimplatz zu suchen.

kobinet-nachrichten: Was macht das mit Ihnen, wie fühlen Sie sich dabei?

Dirk Bergen: Es zehrt schon an den Nerven, wenn einem immer nur ein halbes Jahr zugesagt wird. Und dann muß ich bangen, ob ich hier wohnen darf oder nicht. Da meine Lebensgefährtin und ich unsere Wohnung umgebaut haben und vieles gemacht haben, um die Wohnung für mein Leben anzupaßen, will ich die Wohnung nicht verlaßen. Den Bescheid, mir einen Heimplatz zu suchen, erhielt ich kurz nachdem meine Lebensgefährtin verstorben war. Zu der Trauer, die ich zu verarbeiten hatte, kamen noch die oben genannten Probleme.

Wenn man bedenkt, daß ich schon einmal 15 Jahre im Heim war und jetzt wieder eine Aufforderung bekam, ins Heim zu gehen, dann hat mich das schon sehr betroffen gemacht und teilweise mußten meine Aßistenten mich moralisch unterstützen, wenn ich anfing zu weinen, weil ich Angst hatte, mein Zuhause zu verlieren und auch den Anschluß zu meinem Freundeskreis. Ich habe damals in den 70er Jahren vier Jahre dafür gekämpft, aus dem Heim zu kommen, das war für mich damals wie heute der Beginn meiner eigenen Freiheit.

kobinet-nachrichten: Hätten Sie damit gerechnet, daß Ihnen so etwas einmal paßieren könnte, nachdem Sie sich mühsam ein selbstbestimmtes Leben mit Aßistenz erkämpft hatten?

Dirk Bergen: Sicherlich nicht. Ich kann mich noch entsinnen, wie wir die Bundesarbeitsgemeinschaft des CBF (Club Behinderte und ihre Freunde) eine Tagung in Bonn hielten, zu der ein Bundesabgeordneter der CDU (der Name ist mir entfallen) kam. Und dieser hat im Bundestag bewirkt, daß unsere Forderung zuhause in einer eigenen Wohnung zu Leben ermöglicht wurde. Sprich die Wahl der eigenen Wohnform. Nach dem das durchgesetzt wurde konnte ich mir nicht vorstellen, daß die Rechtslage sich einen Schritt zurück entwickeln würde.

 

Dirk Bergen am Tisch bei Kerzenschein

Dirk Bergen am Tisch bei Kerzenschein

kobinet-nachrichten: Wie geht es jetzt für Sie weiter und wie kann man Sie unterstützen?

Dirk Bergen: Wenn meine Gesundheit sich nicht verschlechtert (nachdem der erste Bescheid kam hab ich meine Nahrungsaufnahme schon reduziert und so hab ich nicht mehr viel Kraft), werde ich mich weiterhin dafür einsetzen, daß ich und andere Menschen nicht aus Kostengründen ins Heim müßen. Man sollte doch bedenken, daß das Grundgesetz jetzt 67 Jahre alt ist und kurz davor noch die Euthanasie bestand, also vier Jahre zuvor (Diese gibt es zwar nicht mehr, aber kommt die Euthanasie nicht in einer anderen Form durch, indem die Freiheit eines behinderten Menschen beschnitten werden soll?) Übrigens das Grundgesetz sagt, daß alle Menschen die gleichen Rechte haben, hat dann nicht ein Politiker vom Bürgermeister bis zum Bundeskanzler oder Bundespräsidenten Anspruch auch mit einem Alter über 60 in einer umgebauten Kaserne zu leben? Dann muß man bitte alles dran setzen, daß nicht auf einem anderen Niveau die Freiheit verloren geht. Es ist bedenklich, daß Menschen mit Behinderung wieder Angst davor haben müßen, daß ihr Leben von anderen Menschen bestimmt wird und das Schlimme daran ist, daß diese Menschen dafür noch vom Staat bezahlt werden.

Ich bitte daher darum, daß Sie sich dafür einsetzen die Öffentlichkeit in gewißen Abständen zu unterrichten. Allerdings viel Hoffnung, daß die Bevölkerung da viel unternimmt, dürfen behinderte Menschen da nicht haben. Dies liegt daran, daß viele andere Themen ihre Berechtigung haben, diskutiert und bearbeitet zu werden, sei es im Bundes- oder in den Landtägen. Dies gilt auch für die Medien. Daher bitte ich Sie, sich dafür einzusetzen, daß ein gerechtes Bundesteilhabegesetz verabschiedet wird, daß es jedem Menschen in Deutschland ermöglicht an der Gesellschaft teilzuhaben.

Ich darf Sie noch dran erinnern, daß wir 2017 Bundestagswahl haben. Bis dahin sollten Sie ganz maßiv diese Leute daran erinnern, daß sie Diener des Volkes sind und alle Macht vom Volk aus geht. Leider hab ich keinen Menschen, der mir außchließlich schreibt, da wäre eine Unterstützung sicherlich von Vorteil. Es wäre gut, wenn sich jemand finden würde, der mich beim Schreiben unterstützt.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei Ihrem Kampf um Ihre Selbstbestimmung.

Link zu einem Beitrag in der Badischen Zeitung über Dirk Bergen

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Termine

Nächster Termin ist am 01.09.2018, SA
Auftaktveranstaltung einer Fortbildungsreihe zum Bundesteilhabegesetz

Haus der Region Hannover (), 01.09.2018, SA 10.00 - 15.00 Uhr,

Link zu weiteren Informationen über die Auftaktveranstaltung einer Fortbildungsreihe zum Bundesteilhabegesetz in Haus der Region in Hannover am 1. September 2018 von 10.00 - 15.00 Uhr

https://www.teilhabegesetz.org/pages/posts/fortbildungsreihe-zum-teilhabegesetz-startet-in-hannover993.php

 

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Anstehende Termine
01.09.2018, SA  Haus der Region Hannover    Auftaktveranstaltung einer Fortbildungsreihe zum Bundesteilhabegesetz  10.00 - 15.00 Uhr Uhr
08.10.2018, MO  Manfred-Sauer-Stiftung Lobbach    Intensiv-Kurs Recht zu rechtlichen Grundlagen für die Teilhabeberatung  8.10. - 12.10.2018 Uhr
Frühere Termine (Archiv)
15.08.2018, MI  Jugendgästehaus Duderstadt    Teilhabeberatung beim Sommercamp  14:30 - 17:00 Uhr Uhr
12.08.2018, SO  Duderstadt vom 12. - 17. August 2018    Sommercamp zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen   Uhr
09.08.2018, DO  Georg-Michael-Pfaff Saal der Volkshochschule Kaiserslautern    Selbstbestimmt leben in Kaiserslautern?  18:30 Uhr Uhr
23.06.2018, SA  Berlin    Pride Parade in Berlin   Uhr
23.06.2018, SA  Berlin ab Hermannplatz    Pride Parade behindert und verrückt feiern  15:00 Uhr Uhr
23.05.2018, MI  Trier, Tagungs- und Gästehaus Barmherzige Brüder, Nordallee 1, 54292 Trier    Bundesteilhabegesetz: Vom Tiger zum Kätzchen?  18:00 - 20:30 Uhr Uhr
21.05.2018, MO  Lobbach    Schulung zu rechtlichen Grundlagen der Teilhabeberatung   Uhr
21.05.2018, MO  Köln: Start Köln-Ehrenfeld S-Bahn, Kundgebung 16:00 Uhr Odonien, Hornstr. 85, Köln-Neuehrenfeld    Mad Pride Parade mit Kundgebung   Uhr
15.05.2018, DI  15.-17. Mai in Stuttgart    Deutscher Fürsorgetag   Uhr
05.05.2018, SA  Berlin    Demonstration zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen  14.00 - 17.00 Uhr Uhr

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