Hintergrundbild
Menü
P

Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

symbolische Waage

Eine Reihe von Regelungen des Bundesteilhabegesetzes sind schon in Kraft getreten. Am 1. Januar 2020 folgen weitere. Im Rahmen des aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" bieten wir u.a. die folgenden Informationen.

 

symbolisch Paragrafen
Link zum Bundesteilhabegesetz


Nachrichten

Hier werden die Nachrichten des aktuellen Monats angezeigt. Nachrichten vorheriger Monate finden Sie hier im Archiv.

Lernen, sich durchzusetzen

Gesendet von Ottmar Miles-Paul am 22.01.2016
Startseite >>

AG Politik und Selbstbestimmung LemgoKaßel: Um zu lernen, sich mehr durchzusetzen, kam gestern die Arbeitsgruppe Politik und Selbstbestimmung in Lemgo zu einer Fortbildung ins Kaßeler Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen. Mensch zuerst, die Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten, hatte die noch recht neue Selbstvertretungsgruppe aus Lemgo eingeladen.

In einem abwechselungsreichen Programm mit Diskußionen, Filmen, Kurzvorträgen und einem Rundgang mit vielen Gesprächen durch das Zentrum für selbstbestimmtes Leben gab es viele Punkte, die für die LemgoerInnen wichtig waren. Ganz oben stand für Jeßica Klemens beispielsweise das Thema Frauenbeauftragte in Werkstätten an. "Viele Frauen in den Werkstätten für behinderte Menschen trauen sich nicht, sich gegen Belästigungen zu wehren oder das Thema anzusprechen. Deshalb ist eine Vertrauensperson als Frauenbeauftragte sehr wichtig", so Jeßica Klemens, die sich durchaus vorstellen kann, eine solche Funktion in der Werkstatt in der sie arbeitet selbst auszuüben, wenn sie entsprechend geschult wird. Solche Schulungen bietet das Projekt "Frauenbeauftragte in Einrichtungen" des im Kaßeler Zentrum für selbstbestimmtes Leben ansäßigen Weibernetz an. Mensch zuerst ist ein Kooperationspartner des Projektes und "das ist auch gut so", erklärte Stefan Göthling, der Geschäftsführer von Mensch zuerst. "Es ist wichtig, gerade Frauen mit Lernschwierigkeiten zu stärken, daß sie sich wehren können und AnsprechpartnerInnen zu haben. Das merken wir bei unseren Treffen immer wieder und deshalb bin ich froh, daß Frauenbeauftragte hoffentlich bald gesetzlich geregelt werden. Und zwar so, daß diese nicht nur für eine große Werkstatt zuständig und weit weg von den Frauen sind. Es muß in jeder Zweigstelle der Werkstatt eine Frauenbeauftragte geben", so Stefan Göthling. Das Projekt des Weibernetz hat dazu erst vor kurzem einen Aufruf für die Gesetzesänderung mit weiteren Punkten für eine gute Arbeit und Verankerung von Frauenbeauftragten veröffentlicht.

Lernen, Nein zu sagen und Ängste zu überwinden, war ein weiteres Thema. Und auch dazu hatten die MitarbeiterInnen von Mensch zuerst einiges zu berichten. "Wir wurden nicht als selbstbewußte Menschen geboren, bzw. nicht unbedingt so erzogen. Wir mußten und müßen immer noch ständig lernen, uns einzumischen und durchzusetzen. Josef Ströbl vom Vorstand von Mensch zuerst kann davon ein Lied singen. Erst im Dezember war er bei der Anhörung zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts im Bundesministerium für Arbeit und Soziales als Experte geladen. "Das ist nicht leicht, da alles zu verstehen und den Mut zu haben, sich zu Wort zu melden." Doch Josef Ströbl ist mittlerweile ein "alter Fuchs" der Mensch zuerst Bewegung und machte deutlich, daß es deshalb dringend mehr Leichter Sprache bedarf. "Das muß ins Gesetz rein und wir müßen das auch einklagen können", betonte er. Denn ohne Leichte Sprache verstehe man meist gar nicht recht, worum es geht. "Und das macht uns klein."

Ein großes Thema war auch die geringe Bezahlung in den Werkstätten für behinderte Menschen. Der Durchschnittslohn beträgt bundesweit 185 Euro für MitarbeiterInnen in Werkstätten für behinderte Menschen. Daß dies viel zu wenig ist, darin waren sich alle einig. Es gehe aber auch darum, Alternativen zu Werkstätten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und mit richtigem Lohn und richtiger Unterstützung zu bekommen. Was in Rheinland-Pfalz mit dem Budget für Arbeit geht, müße endlich auch bundesweit gelten. Deshalb zeigte sich die Gruppe aus Lemgo, die sich in die Politik einmischen will, auch besonders an den Überlegungen für das Bundesteilhabegesetz intereßiert. Das "Sparverbot" und "Verdienstverbot", so faßte die Gruppe die schwierigen Begriffe Einkommens- und Vermögensanrechnung in leichtere Sprache darf es zukünftig nicht mehr geben. "Denn es ist eine Schande, daß wir nicht mehr als 2.600 Euro sparen dürfen", war man sich einig.

Daß die Gruppe noch viel vorhat, wurde am Ende des Treffens deutlich. Nicht nur, daß die bisherige Arbeitsgruppe Politik und Selbstbestimmung in Lemgo überlegt, eine Regionalgruppe von Mensch zuerst zu werden, so seien auch schon eine Reihe von Aktivitäten für dieses Jahr geplant. Demnächst gibt es eine Planungsfortbildung für die Gestaltung von Aktionen zum Protesttag am 3. Mai in Lemgo. Dann werden Veranstaltungen an der Volkshochschule durchgeführt, bei den die Betroffenen selbst eine wichtige Rolle spielen.

Für August Buskies, der die Politikgruppe mit Unterstützung von Theresa Ehlen vom Lemgoer Inklusionsprojekt der Lebenshilfe als konkretes Projekt im Rahmen der Empowerment Schulung "Stärker werden und etwas verändern" gegründet hat, hat es sich auf jeden Fall gelohnt, nach Kaßel zu kommen. "Ich brauche dringend Unterstützung von anderen behinderten Menschen, denn seit vielen Jahren sitze ich als sachkundiger Bürger im Sozialaußchuß der Stadt Lemgo. Aber wenn wir mehr erreichen wollen, brauchen wir viele behinderte Menschen, die sich einmischen und vor allem dringend, wie in anderen Städten auch, einen Behindertenbeirat", so August Buskies. Er selbst hat gleich den Mitgliedsantrag bei Mensch zuerst unterschrieben und ist damit, wie Stefan Göthling von Mensch zuerst scherzhaft meinte, jetzt "der erste August" bei Mensch zuerst.

zurück


zu facebook E-Mail

Termine

Nächster Termin ist am 25.04.2018, MI
Diskussionsveranstaltung Inklusion oder Exklusion

Staatsarchiv Ludwigsburg (Veranstalter: Kreisverband Bündnis 90/Die GRÜNEN Ludwigsburg), 25.04.2018, MI 19.30 Uhr - Einlass 19.00 Uhr,

Inklusion oder Exklusion?

25.4. um 19.30 Uhr, Einlass 19.00 Uhr.

Staatsarchiv Ludwigsburg, barrierefrei.

 

 

Mit der Landesbehindertenbeauftragten Stephanie Aeffner

Ottmar Miles-Paul, dem Gründungsmitglied des Behindertenverband Selbstbestimmt Leben in Deutschland  und Antonio Florio von Selbstbestimmt Leben im Landkreis Ludwigsburg e.V.

.


Anstehende Termine
25.04.2018, MI  Staatsarchiv Ludwigsburg    Diskussionsveranstaltung Inklusion oder Exklusion  19.30 Uhr - Einlass 19.00 Uhr Uhr
05.05.2018, SA  Berlin    Demonstration zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen  14.00 - 17.00 Uhr Uhr
15.05.2018, DI  15.-17. Mai in Stuttgart    Deutscher Fürsorgetag   Uhr
21.05.2018, MO  Lobbach    Schulung zu rechtlichen Grundlagen der Teilhabeberatung   Uhr
21.05.2018, MO  Köln: Start Köln-Ehrenfeld S-Bahn, Kundgebung 16:00 Uhr Odonien, Hornstr. 85, Köln-Neuehrenfeld    Mad Pride Parade mit Kundgebung   Uhr
23.06.2018, SA  Berlin    Pride Parade in Berlin   Uhr
12.08.2018, SO  Duderstadt vom 12. - 17. August 2018    Sommercamp zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen   Uhr
Frühere Termine (Archiv)
14.04.2018, SA  Mainz    Inklusionsmesse Rheinland-Pfalz  10.00 - 15.00 Uhr Uhr
13.04.2018, FR  Mainz    Inklusionsmesse Rheinland-Pfalz  11:00 - 18:00 Uhr Uhr
06.04.2018, FR  Berlin    Treffen unabhängiger Teilhabeberatungsstellen   Uhr
07.03.2018, MI  Düsseldorf    Anhörung zum Ausführungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes des Landtagsausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales  10:30 - 13:30 Uhr Uhr
28.02.2018, MI  Köln-Deutz    I Have a Dream: Perspektiven der Eingliederungshilfe  9:30 - 16:30 Uhr Uhr
22.02.2018, DO  Berlin Haus der Demokratie    Menschenrechte und Behinderung  19:00 Uhr

Koordiniert vom
Logo Netzwerk Artikel 3

Gefördert durch:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Logo)
aufgrund eines Beschlusses
des Deutschen Bundestages

Weitere Seiten: