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Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

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Eine Reihe von Regelungen des Bundesteilhabegesetzes sind schon in Kraft getreten. Am 1. Januar 2020 folgen weitere. Im Rahmen des vom Deutschen Bundestag bewilligten und aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" bieten wir Informationen zum Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung.

 

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Man ist nicht von Anfang an dabei

Gesendet von Ottmar Miles-Paul am 10.12.2018
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Kassel (kobinet) Josef Ströbl ist mittlerweile 64 Jahre alt und hat vielfältige Erfahrungen mit den verschiedenen Angeboten der Behindertenhilfe gemacht. Als Inklusionsbotschafter hat er sich anlässlich des Offenen Briefes in Sachen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an die Bundesarbeitsgmeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfBM) und an die Werkstatträte Deutschlands mit seinen eigenen Erfahrungen beschäftigt und sich zu Wort gemeldet.

"Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Und kenne und habe Erfahrungen mit den Systemen Lernen, Arbeit, Öffentlichkeit gemacht. Ich hatte als Kind, als Jugendlicher, nicht die Möglichkeit zu lernen, so wie ich es brauchte. Ich war in der Sonderwelt: Sonderschulen oder Hilfsschulen, so wie man das damals im Volksmund genannt hat. Später als Jugendlicher oder junger Erwachsener hatte ich große Schwierigkeiten auf dem 1. Arbeitsmarkt. Ich war nur kurze Zeit (1 ½ - 2 Jahre) auf dem 1. Arbeitsmarkt beschäftigt. Dann haben sich die Werkstätten für behinderte Menschen gebildet. Ich war von Anfang an der Meinung: Das ist hier nicht das Richtige, so wie das laufen tut. Man hat mir aber immer wieder gesagt: 'Najaaaaa. Da bist du doch weg von der Straße und hast wenigstens was'“, berichtet Josef Ströbl gegenüber den kobinet-nachrichten.

"Ich war auch jahrelang in der Beschäftigten-Vertretung oder wie man sagt im Werkstattrat. Da hatte ich auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen lange geredet. Da gab es dann die Meinung: 'Es gibt doch die Fitten' oder 'Es muss unbedingt die Plätze geben deswegen' oder 'verwertbare Arbeit'. Die Wörter fand ich schlimm und habe mich sehr, sehr geärgert. Schon damals. Ich bin der Meinung, jeder Mensch kann so wie er eben ist arbeiten. Man muss nur die richtige Unterstützung / Assistenz bekommen", betont Josef Ströbl. "Ich weiß, wie das ist, wenn man in einer WfbM arbeiten tut, und da schon sehr lange beschäftigt ist. Man kennt die Menschen. Die Menschen verstehen einen vielleicht besser, wie andere Menschen. Und wenn ich nichts anderes kennen gelernt habe, zum Beispiel: 'Ich hab wenn ich aus der Schule gekommen bin, noch nie auf dem ersten Arbeitsmarkt gearbeitet', dann hat man große Angst vor Veränderungen, vor was Neuem. Deswegen habe ich immer zu meinen Kolleginnen und Kollegen gesagt, ich kann euch verstehen. Ich will euch jetzt nicht die Arbeit wegnehmen, aber ich habe auf das System geschaut. Zum Beispiel: Was haben sie für Lohn gekriegt für ihre Arbeit. Und das ist bis heute sehr, sehr schlimm. Zahlen Werkstätten heute den Mindestlohn?"

"Es gab dann irgendwann, wie man das in Schwerer Sprache nannte, die Ausgleichsabgabe. Oder dann das mit den Außen-Arbeitsplätzen. Früher habe ich mich geärgert, aber gesagt: 'Na ja aber besser als gar nichts.' Aber heute muss ich leider sagen und wir müssen uns fragen, die Öffentlichkeit, so wie das heutzutage laufen tut, ist das immer noch gerecht? Früher wurden die Werkstätten gebaut, draußen. Dann wurde es da immer enger und enger. Dann tut man neu bauen, jetzt sind die oft nicht mehr zu eng, es mag dann wohl jetzt vom Platz her gesehen, mag sein in Ansätzen, dass es da mehr dabei geben wird, aber trotzdem. Jetzt sind die Werkstätten nicht mehr nur auf der grünen Wiese. Aber das ist noch lange keine Inklusion. Egal wie das gebaut wird, aber das bedeutet nicht, dass wir von Anfang an dabei sind. Und was heißt Inklusion in Leichter Sprache? Wir haben uns da Gedanken darüber gemacht, wie es in Leichter Sprache heißt: 'Von Anfang an dabei sein!' Und das ist man, wenn man in einer WfbM ist, nicht. Man ist dann nicht von Anfang mit dabei. Man wird vielleicht mal ab und zu in ganz kleinen Gedanken von außen mit dazu genommen, aber man ist nicht von Anfang an mit dabei. Deswegen finde ich den Brief sehr interessant und bin auch bereit, mich mit anderen Menschen darüber zu unterhalten", so Josef Ströbl.

Link zu Informationen zum Offenen Brief

Link zum Offenen Brief an die BAG WfbM und Werkstatträte Deutschland

Link zur Stellungnahme der BAG Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) und der Werkstatträte Deutschland

Link zur Diskussion zum Offenen Brief in den kobinet-nachrichten

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