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Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

symbolische Waage

Eine Reihe von Regelungen des Bundesteilhabegesetzes sind schon in Kraft getreten. Am 1. Januar 2020 folgen weitere. Im Rahmen des vom Deutschen Bundestag bewilligten und aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" bieten wir Informationen zum Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung.

 

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Nie wieder Heim

Gesendet von Ottmar Miles-Paul am 05.07.2016
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Matthias Grombach am 4. Mai 2016 vor dem BundeskanzleramtDeßau-Roßlau: Vor einer Woche hat sich Matthias Grombach sein Gefängniskostüm angezogen und begleitet von einem Team des ARD Mittagsmagazins auf zur Käfig-Aktion gegen die derzeitigen Pläne zum Bundesteilhabegesetz nach Berlin gemacht. Eine Woche nach der Verabschiedung des Gesetzentwurfs für das Bundesteilhabegesetz durch das Bundeskabinett sprach kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit Matthias Grombach über seine Geschichte und warum er sich gegen Zwangspoolen und den Nachweis der Unzumutbarkeit nicht in einer Einrichtung leben zu können so vehement wehrt.

kobinet-nachrichten: Nach einem Unfall haben Sie einige Jahre in einem Altenheim leben müßen. Wie kam es damals dazu?

Matthias Grombach: Es kam, daß meine Eltern mich nicht mehr versorgen konnten und ich gerade im Krankenhaus lag. Meine Eltern waren mittlerweile relativ alt und auch krank. Deshalb mußte eine schnelle Lösung gefunden werden. Ich konnte nicht mehr nach Hause zurück und das Krankenhaus hatte nicht ewig ein Bett frei. Mein Vater erkundigte sich beim örtlichen Sozialamt nach Möglichkeiten, wie ich in Zukunft versorgt werden könnte. Von Seiten der Behörde wurde eine stationäre Versorgung vorgeschlagen. Aus Mangel an alternativen und weil ich es damals nicht beßer wußte, stimmte ich einer vorübergehenden Unterbringung in einem Altenheim zu. Aus diesem Altenheim mußte ich mich schlußendlich heraus klagen, um ein selbstbestimmtes Leben mit Aßistenz führen zu können.

kobinet-nachrichten: Wie war es für Sie, in einem solchen Heim leben zu müßen?

Matthias Grombach: Ich war natürlich komplett fehl am Platz, war ich damals doch gerade einmal 29/30 Jahre alt. Da merkte ich natürlich sehr schnell, daß ich da unbedingt wieder raus muß! Als das dann nicht so schnell ging, wie erhofft, war das die Hölle für mich. Ich bin in den vier Jahren kaum aus dem Heim rausgekommen, geschweige denn, daß ich eine Chance auf eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe hatte. Dazu hatte ich auch kaum Privats- und Intimsphäre. In den vier Jahren, die ich dort untergebracht war, mußte ich sage und schreibe circa 60 Leute an mich heranlaßen. Der ganze monotone Tagesablauf in solch einer Einrichtung hat mich richtig runtergezogen. Mich hätte es nicht gewundert, wenn ich damals depreßiv geworden wäre.

kobinet-nachrichten: Wie lang hat es gedauert und wie haben Sie es geschafft, wieder aus dem Heim rauszukommen?

Matthias Grombach: Nachdem ich im Februar 2007 den Antrag auf ein persönliches Budget gestellt hatte und dieser Antrag dann im Dezember abgelehnt wurde, nahm ich mir einen Anwalt, ging in Widerspruch und vor Gericht. Ganze vier Jahre mußte ich darum kämpfen, bis meine Versorgung in einer eigenen Wohnung über persönliche Aßistenz geklärt war. Es kam zu einem Vergleich mit dem Kostenträger. Vom Staat so diskriminiert zu werden, war die schlimmste Zeit meines Lebens!

kobinet-nachrichten: Wie leben Sie heute?

Matthias Grombach: Ich lebe heute, mittlerweile seit 6 1/2 Jahren, in einer eigenen Wohnung mit Unterstützung durch persönliche Aßistenz. Ich kann meinen Alltag selber planen und spontan etwas unternehmen. Ich bin viel unterwegs und genieße gerne die Natur. Ich habe alte Freunde wiedergewonnen und neue gefunden. Ich konnte Beziehungen führen und habe endlich wieder eine Privatsphäre. Ich kann einfach selber entscheiden, wie ich mein Leben leben möchte. Diese ganz normalen Dinge sind bei einer Heimunterbringung so bei weitem nicht möglich. Ich habe beides erlebt und der Unterschied ist riesengroß!

kobinet-nachrichten: Wenn Sie nun im Gesetzentwurf für das Bundesteilhabegesetz von gemeinschaftlicher Leistungserbringung, also dem Zwangspoolen, vom Nachweis der Unzumutbarkeit in Einrichtungen etc. liest. Wie kommt das bei Ihnen an?

Matthias Grombach: Als ich das erste Mal davon gehört habe, habe ich es für einen schlechten Scherz gehalten. Mit der Einführung der personenzentrierten Leistungserbringung habe ich gehofft, daß der Mehrkostenvorbehalt fällt. Dem ist leider nicht so. Dieser Mehrkostenvorbehalt wurde einfach nur umetikettiert und in ein neues Gewand gesteckt. Das neue Gewand heißt gemeinschaftliche Leistungserbringung. Da dem Kostenträger schlußendlich die Entscheidung obliegt, wo ich wohnen soll und der Gesetzgeber eine bestimmte Kostengrenze im Gesetzentwurf vorschreibt, wird hier das Wunsch- und Wahlrecht behinderter Menschen maßiv beschnitten. Wenn Pooling von Leistungen, dann nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Leistungsbeziehers. Ansonsten werden wir in diesem Punkt quasi entmündigt. Das ist alles andere als im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, die eigentlich umgesetzt werden sollte. Diese Regelung ist viel weitgreifender als der alte Mehrkostenvorbehalt, da es nicht mehr um die Geeignetheit der Leistung geht, sondern nur noch um die Kosten der Maßnahme. D.h. auch, daß ein Mehrkostenvorbehalt auch für den ambulanten Bereich eingeführt werden soll. Uns wurden Verbeßerungen versprochen, aber genau das Gegenteil ist vorgesehen. Das macht einem Angst, weil hier die Zukunft von Menschen und ihren Familien zerstört werden.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

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Termine

Nächster Termin ist am 01.09.2018, SA
Auftaktveranstaltung einer Fortbildungsreihe zum Bundesteilhabegesetz

Haus der Region Hannover (), 01.09.2018, SA 10.00 - 15.00 Uhr,

Link zu weiteren Informationen über die Auftaktveranstaltung einer Fortbildungsreihe zum Bundesteilhabegesetz in Haus der Region in Hannover am 1. September 2018 von 10.00 - 15.00 Uhr

https://www.teilhabegesetz.org/pages/posts/fortbildungsreihe-zum-teilhabegesetz-startet-in-hannover993.php

 

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Anstehende Termine
01.09.2018, SA  Haus der Region Hannover    Auftaktveranstaltung einer Fortbildungsreihe zum Bundesteilhabegesetz  10.00 - 15.00 Uhr Uhr
08.10.2018, MO  Manfred-Sauer-Stiftung Lobbach    Intensiv-Kurs Recht zu rechtlichen Grundlagen für die Teilhabeberatung  8.10. - 12.10.2018 Uhr
Frühere Termine (Archiv)
15.08.2018, MI  Jugendgästehaus Duderstadt    Teilhabeberatung beim Sommercamp  14:30 - 17:00 Uhr Uhr
12.08.2018, SO  Duderstadt vom 12. - 17. August 2018    Sommercamp zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen   Uhr
09.08.2018, DO  Georg-Michael-Pfaff Saal der Volkshochschule Kaiserslautern    Selbstbestimmt leben in Kaiserslautern?  18:30 Uhr Uhr
23.06.2018, SA  Berlin    Pride Parade in Berlin   Uhr
23.06.2018, SA  Berlin ab Hermannplatz    Pride Parade behindert und verrückt feiern  15:00 Uhr Uhr
23.05.2018, MI  Trier, Tagungs- und Gästehaus Barmherzige Brüder, Nordallee 1, 54292 Trier    Bundesteilhabegesetz: Vom Tiger zum Kätzchen?  18:00 - 20:30 Uhr Uhr
21.05.2018, MO  Lobbach    Schulung zu rechtlichen Grundlagen der Teilhabeberatung   Uhr
21.05.2018, MO  Köln: Start Köln-Ehrenfeld S-Bahn, Kundgebung 16:00 Uhr Odonien, Hornstr. 85, Köln-Neuehrenfeld    Mad Pride Parade mit Kundgebung   Uhr
15.05.2018, DI  15.-17. Mai in Stuttgart    Deutscher Fürsorgetag   Uhr
05.05.2018, SA  Berlin    Demonstration zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen  14.00 - 17.00 Uhr Uhr

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