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Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

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Eine Reihe von Regelungen des Bundesteilhabegesetzes sind schon in Kraft getreten. Am 1. Januar 2020 folgen weitere. Im Rahmen des vom Deutschen Bundestag bewilligten und aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" bieten wir Informationen zum Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung.

 

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Peer Counseling in der Praxis

Gesendet von Ottmar Miles-Paul am 12.02.2016
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Team und Vorstand von Selbstbestimmt Leben BremenBremen: Wenn das Bundesteilhabegesetz kommt, dann dürfte eine von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängige Beratung ein fester Bestandteil des Gesetzes werden. Inwieweit das Peer Counseling, also die Beratung von behinderten Menschen durch behinderte Menschen dabei eine zentrale Anforderung wird, ist noch offen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Wilhelm Winkelmeier über deßen Arbeit als Peer Counselor und wichtige Anforderungen.

kobinet-nachrichten: Sie arbeiten seit etwa zwanzig Jahren als Peer Counselor bei Selbstbestimmt Leben Bremen. Bitte stellen Sie uns Ihre Beratungßtelle kurz vor.

Wilhelm Winkelmeier: Die Beratungßtelle von Selbstbestimmt Leben Bremen wurde 1986 von behinderten Menschen aufgebaut. Unser Angebot richtet sich an behinderte Menschen und ihre Angehörigen. In der Beratung dürfen nur behinderte Menschen arbeiten und auch sonst hat sich unsere Arbeit seit Beginn an den Prinzipien des Peer-Counselings orientiert, wobei wir das damals noch Betroffenenberatung nannten.

kobinet-nachrichten: Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ratsuchenden zu Ihrem Beratungsangebot?

Wilhelm Winkelmeier: Die Rückmeldungen sind sehr vielfältig, wie auch die Erwartungen an uns von Beratung zu Beratung sehr unterschiedlich sind. Positive Feedbacks bekommen wir zum Beispiel dann, wenn unsere Unterstützung zur Lösung konkreter Probleme beigetragen hat. Was viele schätzen ist, daß wir uns die Zeit nehmen, ihre Situation etwas umfaßender zu verstehen, und daß wir Verständnis auch für manche irrational anmutenden Entscheidungen haben. Was wir seltener hören, aber ich glaube dennoch wichtig ist, daß die Ratsuchenden uns in vielen Beratungen als authentisch wahrnehmen. Also als jemanden, der die Probleme, die zur Sprache kommen, nicht nur aus Büchern, Fortbildungen oder früheren Beratungen kennt, sondern aus eigenem Erleben.

kobinet-nachrichten: Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, daß Peer Counseling Beratungßtellen eine verläßliche und anbieterneutrale Finanzierung erhalten?

Wilhelm Winkelmeier: Beratung ist in einem hohen Maße Vertrauenßache. Auch deshalb müßen sich die Ratsuchenden darauf verlaßen können, eine kompetente und nur an ihren eigenen Intereßen orientierte Unterstützung zu bekommen. Unabhängigkeit und Kompetenz hat aber ihren Preis, den gerade behinderte Menschen oft nicht zahlen können.

kobinet-nachrichten: Sie haben ganz maßgeblich an den kürzlich von der Intereßenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) veröffentlichten Leistungsanforderungen an eine öffentlich geförderte von Leistungesträgern und Leistungserbringern unabhängige profeßionelle Peer Counseling Beratung mitgearbeitet. Was waren Ihre Gründe für dieses Engagement?

Wilhelm Winkelmeier: Peer-Counseling hat eine besondere Beratungsqualität, die für viele behinderte Menschen von besonderer Bedeutung ist und zu der jede/r Zugang haben sollte. Deshalb finde ich wichtig, daß wir selbstbewußt Peer-Counseling aus der semi-profeßionellen Ecke holen, in der es auch nur semi-profeßionelle Finanzierung gibt. Doch für dieses Selbstbewußtsein – im eigentlichen Sinne des Wortes – war es wichtig, daß wir uns noch mal vergewißern, was wir selbst von Peer-Counseling erwarten.

Ich glaube, daß wir uns bei der Gelegenheit auch von ein paar Mythen trennen sollten, zum Beispiel daß die – unterstellte – gemeinsame Erfahrung von Diskriminierung ausreicht, um eine Peer-to-Peer-Beziehung in der Beratung herzustellen; die Dinge sind da doch etwas komplexer. Mir ist bei allem Bemühen um Anerkennung des Peer-Counselings als profeßionelle Dienstleistung aber auch wichtig, daß wir nicht vergeßen, daß Peer-Counseling historisch wie methodisch eine semiprofeßionelle Basis hat, bei der persönliche Erfahrungen und nicht angelerntes Expertentum im Mittelpunkt stehen.

kobinet-nachrichten: Ist das kein Widerspruch?

Wilhelm Winkelmeier: Ja, das mag widersprüchlich klingen. Für mich ist es aber gerade eine besondere Herausforderung an unsere Profeßionalität als Peer-Counselor, die Bereitschaft vieler behinderter Menschen, ihr besonderes Wißen und ihre besonderen Erfahrungen anderen Menschen ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, nicht als unprofeßionell abzutun, sondern sie wo immer möglich und sinnvoll als gleichberechtigte Partner in unsere Beratungen einzubinden. Davon haben dann alle was, vor allem die Ratsuchenden. Und ich denke, daß es Peer-Counselorn tendenziell leichter fällt, diese gleichberechtigte Beratungspartnerschaft aufzubauen, als nichtbehinderten Berater/innen, wenn wir unsere Wurzeln nicht aus den Augen verlieren. 

Link zu den Leistungsanforderungen für öffentlich geförderte Peer Counseling Angebote der ISL

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