Bericht von Sandra Niggemann

Mainz (kobinet) Auch in Rheinland-Pfalz starteten jetzt die Grundqualifizierungen der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuten sich besonders über ihren Überraschungsgast gleich am ersten Tag. Matthias Rösch, Landesbehindertenbeauftrager von Rheinland-Pfalz, ließ es sich nicht nehmen und kam vorbei, um sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen. Und konstatiert zu Beginn: "Bei aller Kritik am Bundesteilhabegesetz - die EInrichtung der EUTB-Beratungstellen ist eine großeartige Sache."

Die 22 SchulungsteilnehmerInnen reisten aus Rheinland-Pfalz, aber auch aus den benachbarten Bundesländern Hessen sowie aus dem Saarland nach Mainz in das weitgehend barrierefreie Hotel INNdependence an, um an der für alle EUTB-BeraterInnen verpflichtenden Grundqualifizierung teilzunehmen. Dabei soll vor allem die Qualität der Beratung und das Prinzip des Peer Counseling sichergestellt werden. Auf dem Programm steht die Vermittlung wesentlicher Inhalte: Das Verständnis der UN-Behindertenrechtskonvention, Aspekte von Peer Support und Peer Counseling und die Idee der Selbstbestimmung und Empowerment sowie die Grundlagen der ressourcenorientierten und personenzentrierten Gesprächsführung. Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Grundhaltung als EUTB-BeraterIn spielt hier eine wichtige Rolle.

Kristina Badenhop-Brand und Reinold Zervas, beide Diplom-Pädagogen und Trainer der Grundqualifizieriung, bereiteten sich 2017 im Rahmen einer Schulung "Train the Trainers" auf die Durchführung der Schulung vor. Selbst schon ein buntes Leben hinter sich und Bruder einer schwerbehinderten Schwester, ist LVR-Peer-Counseling-Trainer in NRW und systemischer Coach Zervas begeistert von der Heterogenität der Teilnehmenden: "Eine Stärke ist die Vielfalt innerhalb der Schulungsgruppe. Hier kommen Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten und -entwürfen sowie Fachprofessionen zusammen, um gemeinsam an der Umsetzung der EUTB zu arbeiten." Und gleich am ersten Tag ist spürbar: Der Wille, sich zu vernetzen, ist gross und die Motivation aller Beteiligten hoch. Wichtig und zentral bei dem strukturellen und organisatorischen Aufbau des EUTB-Beratungsnetzwerkes ist die Bildung von Wissenspools, die vorhandenen vielfältigen Ressourcen auch durch Vernetzung für alle nutzbar zu machen.

Kristina Badenhop-Brand aus Hannover, selbst systemische Beraterin und Familientherapeutin, bringt viel Erfahrung auch aus ihrer Arbeit beim Bundesverband behinderter Eltern (bbe) mit und stellt dabei fest: "Es ist nicht wichtig, alles auf einmal zu wissen und dann umfassend zu beraten. Das kann niemand von uns. Wichtig ist es, zunächst den KlientInnen zuzuhören, um sie dann über ihre Rechte zu informieren und sie zu empowern." Das ist die zentrale und lösungsorientierte Aufgabe jeder EUTB-Beratungsstelle und Kernelement im Besonderen der Beratungsmethode des Peer Counseling auf ebenbürtiger Augenhöhe.

Rebekka Knappe ist froh, dass sie endlich die Grundqualifizierung besuchen kann. Selbst Mutter eines körperbehinderten Sohnes, baut sie gerade als Projektleitung eine EUTB-Beratungsstelle in Hofheim im Main-Taunus-Kreis in Trägerschaft der Lebenshilfe auf. Und sie hat einen großen Wunsch: "Mir ist es wichtig, dass Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten in der Peer-Beratung gleichberechtigt arbeiten und dies auch entsprechend bezahlt bekommen." Sie hofft, dass sie diesen Anspruch noch in den nächsten Monaten verwirklichen kann.

Lea Widmer und Ilke Desch sind aus Fulda angereist und bauen dort für den Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen die Beratungsstelle auf. Lea Widmer wartet noch auf die positive Bewilligung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Neben technischen Hilfsmitteln hofft sie auch auf eine adäquate Versorgung mit Arbeitsassistenz und ist zunächst einmal quasi als "eigener Fall" mit der Beantragung von Teilhabeleistungen zur Aufnahme ihrer Arbeit beschäftigt. Diese Erfahrung teilt sie momentan mit vielen in den EUTB-Stellen beschäftigten Peer-Beratern. Auch ihr gefällt es in Mainz bei der ersten Grundqualifizierung in Rheinland-Pfalz:
"Eine tolle Gruppe, die hier ist und mit so vielen unterschiedlichen Ressourcen, das ist einfach ein riesengroßer Schatz."

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