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Bundesteilhabegesetz umsetzen und weiterentwickeln

symbolische Waage Im Rahmen des vom Deutschen Bundestag bewilligten und aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales geförderten Projektes "Förderung der Partizipation und Selbstvertretung behinderter Menschen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes" hat das NETZWERK ARTIKEL 3 in der Laufzeit des mittlerweile abgeschlossenen Projektes vom 1.  Januar 2018 bis 31. Dezember 2020 folgenden Informationen zum Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung bereitgestellt.

symbolisch Paragrafen
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Teilhabemanagement zum Arbeitgebermodell

Von Ottmar Miles-Paul am 27.07.2015
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Dr. Corina ZolleHeidesheim: Der Verein Rhein-Main inklusiv macht sich für die Selbstbestimmung behinderter Menschen stark und bietet im Rahmen eines neuen Projektes ein Teilhabemanagement zur Selbstorganisation der persönlichen Aßistenz im Rahmen des Arbeitgebermodells von behinderten für behinderte Menschen an. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Dr. Corina Zolle, die ihre Aßistenz selbst im Arbeitgebermodell organisiert, von Rhein-Main inklusiv über das neue Projekt und deßen Angebote.

kobinet-nachrichten: Seit Frühjahr 2015 läuft das Projekt "Teilhabemanagement – Beratung und Unterstützung beim Arbeitgebermodell" in Rheinland-Pfalz. Was ist der Hintergrund dafür?

Dr. Corina Zolle: Persönliche Aßistenz ist in Deutschland mittlerweile fast zum Modewort geworden. In den vergangenen Jahren sind neue, ambulante Angebote entstanden, die allerdings häufig noch immer an die Strukturen der stationären Einrichtungen erinnern. So wird versucht, Menschen mit Behinderung ein Komplettpaket zu bieten, das jedoch nicht immer die wirklichen Bedürfniße trifft. Der politische Wille, daß die Leistungen den Menschen folgen müßen und nicht umgekehrt, wird dadurch auch oft im ambulanten Bereich nicht ausreichend umgesetzt. Persönliche Aßistenz im ursprünglichen Sinne soll behinderten Menschen die Möglichkeit geben, ihr Leben nach ihren eigenen Bedürfnißen zu gestalten. Die reinste Form der persönlichen Aßistenz findet man im so genannten Arbeitgebermodell, bei dem der Mensch mit Behinderung seine AßistentInnen in seinem eigenen Betrieb beschäftigt. Dies garantiert das höchste Maß an Selbstbestimmung, andererseits natürlich auch die größte Eigenverantwortung.

Aber gerade in diese Richtung beraten die etablierten Träger der Einrichtungen bzw. der ambulanten Dienste nicht. Denn die persönliche Aßistenz im Arbeitgebermodell zeichnet sich gerade dadurch aus, daß keine großen Organisationen mehr erforderlich sind, sondern Kleinstbetriebe unabhängig und in Eigenregie genau die Leistungen erbringen, die dem einzelnen Menschen mit Behinderung ein Leben mit größtmöglicher Selbstbestimmung sicher stellen. Nur in diesem Modell ist gewährleistet, daß auch tatsächlich die Leistungen in vollem Umfang dem Menschen folgen. Um das System der etablierten Träger zu durchbrechen, ist es notwendig Träger unabhängiger Beratung und Intereßenvertretung für Menschen mit Behinderung zu schaffen, die das gesamte Spektrum an Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben vermitteln können.

kobinet-nachrichten: Viele Zentren für selbstbestimmtes Leben in Deutschland bieten diese Beratung zum Arbeitgebermodell an, was ist das Besondere an diesem Projekt?

Dr. Corina Zolle: Sollte sich bei der Beratung der Bedarf eines Persönlichen Budgets heraus stellen, sind wir bei der weiteren Begleitung behilflich. Diese Hilfen gehen von ausführlichen Beratungsgesprächen über die Begleitung bei der konkreten Beantragung der Hilfen bei den zuständigen Rehabilitationsträgern über die Teilhabeplanung und Zielvereinbarung bis zum Bescheid. Gegebenenfalls begleiten wir auch im Widerspruch- bzw. Klageverfahren, hier aber natürlich in Zusammenarbeit mit Anwälten im Sozialrecht.

kobinet-nachrichten: Was bietet das Projekt, wenn die Hilfen bewilligt sind?

Dr. Corina Zolle: Nach der Bewilligung eines Persönlichen Budgets bieten wir weitergehende Unterstützung. Neben der Möglichkeit der Nutzung des Abrechnungßervices bieten wir individuelle Unterstützungsleistungen, die je nach Bedarf in Anspruch genommen werden können. Im Rahmen eines Teilhabe-Managements (Casemanagement) unterstützen wir behinderte ArbeitgeberInnen bei der Durchführung der Aßistenz im eigenen Betrieb. Hierbei sollen zum einen ArbeitgeberInnen angesprochen werden, die sich die Verantwortung einen Betrieb zu führen (noch) nicht zutrauen, es aber lernen möchten oder können, zum anderen sollen aber auch die Menschen mit Behinderung Unterstützung finden, die aus intellektuellen oder sonstigen Gründen nicht (mehr) dazu in der Lage sind.

kobinet-nachrichten: In welchen Bereichen bietet ihr genau Beratung an?

Dr. Corina Zolle: Die Beratung erfolgt unter anderem in folgenden Bereichen:
- Beratung zum Persönlichen Budget
- Kostenkalkulation, Abrechnung mit dem Kostenträger
- Unterstützung bei der Antragstellung zur Kostenübernahme
- monatliche Gehaltskostenrechnung der Aßistenten
- Unterstützung bei der Kontenüberwachung
- Unterstützung bei der MitarbeiterInnensuche und Einstellung/Aßistenzvermittlung
- Unterstützung bei der Dienstplangestaltung und Dienstorganisation
- Unterstützung bei der MitarbeiterInnenführung

Darüber hinaus bieten wir Online-Kurse zum Thema Arbeitgebermodell und wie führe ich einen Betrieb im Internet an.

kobinet-nachrichten: Und wie finanziert ihr diese Arbeit?

Dr. Corina Zolle: Unsere Arbeit wird gefördert durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie des Landes Rheinland-Pfalz sowie durch die Aktion Mensch. Genauere Informationen gibt's im Internet unter http://www.rhein-main-inklusiv.de/

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit dem Projekt.

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